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Die Geschichte meiner Angsterkrankung

 

Schon in meiner Jugend hatte ich erste Anzeichen von der Erkrankung wie Agoraphobie, Klaustrophobie und leichte Panikattacken. Mit voller Wucht brach die Krankheit im November 1973 aus, als ich 25 Jahre alt war. Ich hatte schreckliche Angst, in der Wohnung alleine zu bleiben, bekam eine heftige Panikattacke, wenn ich nur die Wohnungstür öffnete, konnte fast nichts mehr essen und litt unter Magen-Darmbeschwerden, wie auch Herzrhythmusstörungen.

Der herbeigerufene Notarzt verschrieb mir Beruhigungs- und Schlafmittel, die mir zwar die Angst nahmen, aber mich so müde machten, dass ich nur noch vom Bett zum Sofa und umgekehrt wandelte. Nach ein paar Wochen bekam mein Mann von einem Arbeitskollegen die Adresse von einem Psychotherapeuten, den wir beide dann auch aufsuchten. Der setzte alle Medikamente ab und verschrieb mir ein Antidepressiva. Dazu erhielt ich Anweisungen zum autogenen Training und wurde durch Gesprächstherapie begleitet.

Damals fing der Weg nach oben, raus aus dem Loch an.

Da wir 1974 von Strassburg nach Luxemburg umzogen, wechselte ich zu einem hiesigen Psychotherapeuten, der die angefangene Behandlung fortführte. Im Herbst 1974 fing ich wieder an, in meinem Beruf zu arbeiten. Mal fühlte ich mich einigermassen wohl, mal hatte ich wieder spezifische sowie generalisierte Angststörungen.

Eine grössere Änderung geschah im Herbst 1976, als ich eine vom Psychotherapeuten verschriebene Kur in Orselina bei Locarno in einer psychosomatischen Klinik antrat. Intensive Entspannungsübungen, Gruppen- und Einzelgespräche brachten eine grössere Verbesserung. Nach 4 Wochen konnte ich entlassen werden, hatte aber die Antidepressiva nicht ganz absetzen können.  In den folgenden Jahren übte ich meinen Beruf aus, bekam einen Sohn, hatte also die Angst einigermassen im Griff, ausser Panikattacken auf der Autobahn und in Tunnels. Ich muss hinzufügen, dass während all dieser Zeit, mein Mann mir hilfsbereit zur Seite stand, auch wenn er meine Ängste schlecht nachvollziehen konnten.

1988 bekamk ich im Urlaub wieder stärkere Angstgefühle, besonders morgens beim Aufwachen, im Speisesaal und bei Wanderungen durch den Wald. Nach Hause zurückgekehrt, suchte ich meinen Psychoterapeuten auf, der mir zusätzlich zum Antidepressiva ein Antiansyolitikum verschrieb. Ich hatte auch bis dahin die Ursachen meiner Erkrankung erfahren und zwar das schlechte Verhältnis zu meinem Vater, das viele Angstgefühle und einen Mangel an Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl entwickelt hatte.

Nun ging es jahrelang aufwärts, dank täglicher Entspannungsübungen und der zwei oben genannten Medikamenten.

1992 besuchte ich einen zweitägigen Kurs gegen Flugangst, die ich dann auch in den Griff bekam und sogar angstfrei nach den Vereinigten Staaten fliegen konnte.

1998 stiess ich durch einen Zeitungsartikel auf die LASH, wo ich dann auch im März aufgenommen wurde. Da sass ich am Tisch mit Menschen, die ähnliche Probleme hatten und mich verstanden. Zum ersten Mal wurde auf alle Einzelheiten der Erkrankung ein Name gesetzt und ich erfuhr auch, dass ich in einer Panikattacke nicht sterben würde.

Ein gutes Jahr später meldeten sich bei mir die Wechseljahre und die allgemeinen Angststörungen überkamen mich erneut. Aber in all dieser Zeit gab mir die Gruppe, die ich auch regelmässig besuchte, Rückenstärkung.

Im Jahre 2000 wurde ich zum zweiten Mal an einem Bandscheibenschaden operiert und während des darauf folgenden Aufenthalts in einer deutschen Rehaklinik, lernte ich einen diplomierten, nicht ärztlichen Psychotherapeuten kennen. Nach fünf Sitzungen hatte dieser Mann meine Probleme so glasklar erkannt, dass ich selber darüber erstaunt war und sein Angebot, regelmässig zu ihm in die Klinik zu kommen, dankbar entgegennahm. Über den Zeitraum einer Jahrzehnts, bin ich deisem Therapeuten bei all seinen Versetzungen gefolgt und besuche in auch heute noch. Er, unt mit Unterstützung der Gruppe, hat mein Selbstvertrauen, meine Eigenliebe und mein Selbstwertgefühl so gut aufgebaut, dass ich heute meine Krankheit weitgehend im Griff habe, und nachdem ich mich schon vor ein paar Jahren in den Vorstand der LASH gemeldet habe, auch gelegentlich die Gruppe leite, wenn unsere Gruppenleiterin verhindert ist. Wie sagte mein Therapeut: „Sie haben zwar nicht die Ausbildung, aber dafür eine grosse Erfahrung.“

So, jetzt bin ich am Schluss meiner wahren „Geschichte“ angekommen und will noch eines hinzufügen.

Meine Angsterkrankung hat auch Positives an sich. Ich bin ein anderer Mensch geworden, habe meine Stärken und Schwächen erkannt und versuche mein Leben zu leben, mich nicht leben zu lassen.

Diese Hoffnung will ich allen Leidensbrüdern- und schwestern mit auf den Weg geben.

©MJ
(voller Name dem Administrator des Forums bekannt)

 

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